Gastspiele (auswärts)


Samstag, 23. Oktober, 19 Uhr, Karmeliterkirche München

„Gottes ist der Orient, Gottes ist der Okzident...“
Goethes Islam im West-östlichen Divan

Eine szenische Rezitation mit Katharina Conradt und Martin Lunz
mit Kalligraphie Mitgestaltung von Shahid Allam 

Johann Wolfgang Goethe hat sich bereits 1772 auf Anregung Herders in Straßburg mit dem Koran beschäftigt. Daraufhin entwarf er eine Tragödie, „Mahomet“, die nur Fragment blieb. Immer wieder las Goethe Gedichte des persischen Dichters Hafis, der im 14. Jahrhundert lebte. Als Goethe 1814 die deutsche Übersetzung von Hafis Gedichtsammlung „Divan“ durch seinen Verleger Cotta bekam, fühlte er sich beflügelt und wetteiferte mit seinem „Zwillingsbruder“ Hafis, trotz der zeitlichen Distanz von etwa fünf Jahrhunderten. So entstanden die ersten Gedichte des „West-östlichen Divan“. Eine immense Steigerung erfährt diese erste Beflügelung dann im Jahre 1815 durch Goethes Begegnung und seiner platonischen Liebe zu Marianne von Willemer, die sich im Buch Suleika zeigt. Goethe befindet sich auf einer inneren Morgenlandreise, obwohl er im Westen weilt, auf dm heimatlichen Boden des Rhein-Main-Neckar Gebietes, den er 17 Jahre lang nicht betreten hatte. Der „Westöstliche Divan“ erscheint erstmals 1819 und ist die umfangreichste Gedichtsammlung Goethes. Goethe, der sich weiter intensiv mit der orientalischen Kultur beschäftigt hat, gibt darin einen Beitrag zur Verständigung der Kulturen und zu einer künftigen Weltliteratur.

Unser Programm „Gottes ist der Orient, Gottes ist der Okzident...“– Goethes Islam im West-östlichen Divan ist Teil des Rahmenprogammes zur Ausstellung des Kalligraphen Shahid Alam und nimmt Bezug auf die kürzlich erschienene Veröffentlichung von Karl-Josef Kuschel und Shahid Alam „Goethe und der Koran“.
In unserem Programm lädt der Mitte 60-jährige Goethe (Martin Lunz) die Zuschauer ein, einige poetische Perlen des „West-östlichen Divan“ mitzuerleben. Zum besseren Verständnis erläutert er Zusammenhänge.
Die Erscheinung und die Liebes-Wechselgespräche mit Suleika (Katharina Conradt) stehen im Mittelpunkt des West-östlichen Divan und unseres Programmes. In einem weiteren Kapitel des Buches, im Buch des Schenken, bedient die Schauspielerin als Schenke dann den Dichter und tritt im Buch des Paradieses als Huri auf, als eine Jungfrau des jenseitigen Gebietes.

Den Prolog, Interlog und Epilog bilden drei Altersgedichte Goethes, in denen er kurz und formelhaft seine Welt- und Naturerkenntnise lyrisch zum Ausdruck bringt. Diese Gedichte, durch den Kalligraphen Shahid Alam gestaltet, bilden, auf Leinwand übertragen, den Bühnenhintergrund. Zudem werden einzelne kalligraphisch gestaltete Gedichte der Ausstellung als Bühnenhintergrund während der Darbietung projeziert.

Premiere:
Samstag, 23. Oktober 2021, 19 Uhr, in der Karmeliterkirche St. Nikolaus, Karmeliterstraße 1, 80333 München